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Programmtipps

Deep Space Nine hat sich letzte Woche als herbe Enttäuschung entpuppt: Kabel Eins sendet offenbar erst ab Staffel 4 aufwärts, und auf solche Kindereien habe ich einfach keine Lust mehr.

Diese Woche gibt es dafür aber das Finale von In Treatment, das bestimmt genauso sehenswert wie die bisherige erste Staffel wird. Und die Star-Trek-Reihe am Wochenende wird ebenfalls fortgesetzt. Ich freue mich vor allem auf die Serien-Folgen, die man sich nachts bequem aufnehmen und dann am Sonntag ansehen kann. Bei diesem Wetter gibt es nix Besseres!

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Verfasst von - Mai 10, 2010 in Programmtipps

 

Hard Candy (2005)

Ein Mädchen trifft sich mit einem Typen, den sie im Internetchat kennengelernt hat, auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Nach ein wenig Smalltalk entscheiden sich die beiden, zu ihm nach Hause zu fahren, um einen Konzertmitschnitt anzuhören. Bei ein paar Drinks werden die Gesprächsthemen persönlicher. Nichts Ungewöhnliches, bis auf die Tatsache, dass das Mädchen erst 14 Jahre alt ist, er hingegen 32. Und da wird es problematisch, denn als Zuschauer weiß man nicht so recht, was man davon halten soll. Eigentlich ist Jeff, der Fotograf und männliche Protagonist, allein schon durch sein Auftauchen im Café für die Rolle des schmierigen, wenn auch smarten Perverslings-Schrägstrich-Pädophilen prädestiniert. Welcher erwachsene Mann würde sich sonst auf ein Treffen mit einer Achtklässlerin einlassen, egal wie intelligent und schlagfertig sie ist? Trotzdem erscheint er auf den zweiten Blick nicht ganz unsympathisch. Und auch das Mädchen Hayley gibt einem Rätsel auf: Wenn sie wirklich so unschuldig ist, wie ihr schüchternes Lächeln vermuten lässt, was hat sie dann in diesem Café und erst Recht im Haus dieses 18 Jahre älteren Fremden zu suchen, der im Internet minderjährige “Thonggirls” aufreißt? Gemeinsame Wellenlänge und Musikgeschmack hin und her – so richtig klug wird man aus beiden nicht. Aber da man weiß, dass es sich bei Hard Candy um einen Psychothriller handelt, der sich noch dazu auf dem Plakat ganz ungeniert des Rotkäppchen-Motivs bedient, ahnt man schon, dass dies nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft oder einer “gegen alle gesellschaftlichen Normen verstoßenden Liebesgeschichte” ist, sondern dass das dicke Ende noch kommt.

Von hier kann man sich zur Handlung nicht mehr äußern, ohne kräftig zu spoilern, deshalb nur soviel: Der Film entwickelt sich aus dieser Ausgangssituation sehr schnell zu einer Psycho-Achterbahnfahrt der brutalsten Sorte, einem Kammerspiel aus Wortgefechten, gegenseitigen Manipulationen und Grenzüberschreitungen, bei dem man bis zum Ende vieles im Ungewissen bleibt. In erster Linie funktioniert Hard Candy dadurch, dass man als Zuschauer gezwungen ist, die Einschätzung der beiden Hauptcharaktere immer wieder neu zu hinterfragen. Was ist wahr, was ist falsch? Was hat man nun eigentlich genau gesehen? Und wie verändert sich die eigene Wahrnehmung dadurch eventuell? Ich zumindest wusste bis zum Schluss nicht, wie ich manches bewerten sollte und habe mittlerweile herausgefunden, dass ich in einigen Punkten komplett falsch lag. Allerdings war der Film für mich dadurch nicht weniger sehenswert, schon allein durch seine psychologische Intensität und die hervorragende Darstellung der beiden Hauptdarsteller. Hard Candy stand schon lange sehr weit oben auf meiner Liste unbedingt nachzuholender Filme, und meine hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Fazit: Ein düsterer, dialogintensiver, teilweise sehr brutaler Psychothriller mit großartigen Darstellern, der noch eine Weile nachwirkt und viele Fragen aufwirft. Für alle, die es gerne abgründig und doppelbödig mögen, wirklich sehr empfehlenswert. Allerdings sollte man sich von allzu ausführlichen Rezensionen und Internet-Diskussionen vorher möglichst fernhalten.

 
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Verfasst von - April 18, 2010 in Filme

 

Programmtipps

Ostern ist vorbei, entsprechend fällt die Spannungskurve im Fernsehprogramm wieder ab. Aber ab heute wird es zumindest bei Dr House sehr interessant (eine Serie, die ich in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt habe): Gregory House geht offenbar freiwillig in eine psychiatrische Klinik zum Drogenentzug und trifft dort auf Franka Potente. Das könnte die Serie zumindest für eine Weile wieder attraktiver machen.

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Verfasst von - April 6, 2010 in Programmtipps

 

Programmtipps

Die Filmtipps für die nächste Woche, beginnend mit diesem Samstag bis einschließlich Ostermontag. Samstag nacht (beziehungsweise Sonntag früh um 2:00) wird die Uhr außerdem auf die Sommerzeit umgestellt – nicht vergessen!

Die Highlights der Woche sind für mich als Fantasy-Fan natürlich die TV-Premiere von Pans Labyrinth, Shrek der Dritte und Brücke nach Terabithia. Die Rückkehr des Königs und Eragon laufen auch mal wieder, aber zumindest von Letzterem verspreche ich mir nicht sehr viel. Dann besser noch mal auf arte reinschauen, wo der Fantasy-Oldie Willow sowie demnächst einige ausgewählte japanische Zeichentrickfilme gezeigt werden.

Darüber hinaus gibt es noch die Fernseh-Premieren des hochgelobten Eastwood-Kriegsfilms Flags of our Fathers, Quentin Tarantinos Death Proof, Elizabeth – Das goldene Königreich, die Schriftsteller-Biografie Capote und den deutschen Till-Schweiger-Hit Keinohrhasen.

Vielleicht sollte ich es auch mal wieder dazu sagen: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei so viel Tipperei kann einem schon mal ein Fehler unterlaufen. Wer sich irgendetwas aufnehmen will, sollte also lieber nochmal die Anfangszeiten überprüfen.

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Verfasst von - März 26, 2010 in Programmtipps

 

Kurz: Gesehen

Alles, was ich in letzter Zeit noch so gesehen habe. Teilweise aus der Erinnerung – zu mehr hat es nicht gereicht.

The Last King of Scotland (2006)

Ein junger schottischer Arzt (James McAvoy) landet auf der Suche nach Abenteuer in Uganda und wird durch einen Zufall zum Leibarzt und Vertrauten des Militärdiktators Idi Amin. Es dauert eine Weile, bis ihm in seiner Naivität klar wird, dass Amin ihn mit Schmeicheleien und Wohlstandsprivilegien im Grunde gekauft hat und dass sich außerhalb seiner gutmenschlichen Seifenblase ein blutiger Völkermord abspielt. Nachdenklich machende (und wahre) Geschichte mit einem sehr guten Forest Whitaker, der den gestörten Diktator glaubhaft mal als gutmütigen Teddybär, dann wieder als größenwahnsinnigen Psychopathen porträtiert.

Prozac Nation (2001)

Verfilmung des gleichnamigen autobriografischen Romans von Elizabeth Wurtzel: Eine begabte Journalismus-Studentin (Christina Ricci) klagt zunächst über Schreibblockaden und rutscht schließlich in eine fette Depression, der sie zu guter Letzt mit Hilfe des Antidepressivums Prozac beizukommen versucht.
Es ist sicher schwer, solche psychischen Vorgänge filmisch umzusetzen, aber Prozac Nation hat es für mich nicht geschafft, dem Zuschauer das subjektive Erleben dieser Krankheit in irgendeiner Weise nahe zu bringen. Man sieht die Protagonistin mal zynisch, mal selbstmitleidig herumeiern, mit ihrer Mutter streiten, Drogen konsumieren, Bierdeckel vollkritzeln und mit irgendwelchen Studenten ins Bett gehen; eine echte Emotion konnte mir das nicht entlocken. Ich merke auch mal wieder, dass ich ein kleines Problem mit Christina Ricci habe, die zwar als Trashikone Kultstatus besitzt, aber selten mal eine Figur spielt, mit der ich wirklich mitfühlen kann. Ob es an ihrem Talent oder an ihrer Rollenwahl liegt, ist schwer zu sagen.

Kiss Kiss Bang Bang (2005)

Robert Downey Jr. spielt einen Kleinganoven, der durch ein paar Zufälle die Hauptrolle in einem Hollywoodfilm ergattert und an der Seite des Privatdetektivs Perry (Val Kilmer) ein wenig Hintergrundrecherche betreiben soll. Natürlich stolpert das ungleiche Duo schon am ersten Abend über eine Frauenleiche, und schlittert von da an in eine Menge abstruser Situationen. Was KKBB dabei vom Mainstream abhebt, ist die ironische Selbstreferentialität, mit der der Off-Screen-Erzähler / Protagonist die Handlung zwischendurch immer wieder kommentiert. So sinniert Harry gerne mal darüber, ob er eigentlich das F-Wort verwenden darf oder spult mittendrin den Film zurück, weil er die Reihenfolge seiner Erzählung durcheinander gebracht hat. Das Problem: Obwohl das eine ganz nette Idee ist, nutzt sie sich schnell ab und wirkt manchmal etwas zu gewollt witzig. Ähnlich ging es mir mit den vielen Hollywood- und B-Krimi-Klischees oder der Tatsache, dass Kilmers Figur schwul ist. Klar, für den ein oder anderen One-Liner ist KKBB gut, und auch an schwarzem Humor wird nicht gespart. Aber letztlich ist der Film aus meiner Sicht doch nicht der witzige Buddy-Movie, als der er gefeiert wird. Und für mich ist es auch mal wieder der Beweis, dass Robert Downey Jr. selbst als tollpatschiger Loser seine arrogante Coolness nie ganz los wird und mich deshalb als Schauspieler erst noch von seiner Wandelbarkeit überzeugen muss.

Iron Man (2008)

Ein Waffenproduzent wird von Terroristen entführt, kehrt geläutert nach Hause zurück und hat fortan den Ehrgeiz, alle seine selbstproduzierten Waffen wieder aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei hilft ihm sein in der Gefangenschaft entworfener und weiterentwickelter Kampfanzug, eine Art Panzer, Flugmaschine und Roboter in einem. Natürlich gibt es aber Leute, denen das nicht passt, und am Ende kommt es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gut und Böse – Roboter gegen Roboter, Genie gegen Genie.
Ich gebe es zu, ich war sehr enttäuscht. Iron Man hätte den Superheldenfilm nicht unbedingt neu erfinden müssen, kann aber auch Vorgängern wie X-Men oder Spiderman nicht das Wasser reichen. Statt auf die psychologischen Konflikte seiner Hauptfigur zu setzen, versucht er vor allem durch bombastische Actionszenen und Technikspielerein Eindruck zu schinden und büßt dadurch leider jede Menge Tiefgang ein. Was Iron Man trotzdem irgendwie sehenswert macht, sind die Darsteller. Rober Downey Jr spult seine Rolle als sarkastischer und charismatischer Großkotz zwar fast zu routiniert herunter, aber ich habe mich gewundert, wie angenehm das Wiedersehen mit Gwyneth Paltrow in der Rolle seiner warmherzigen Assistentin Pepper war. Jeff Bridges als bärtiger Glatzkopf gibt den eiskalten Waffenlobbyisten auch sehr überzeugend. Ob ich mir das Sequel ansehen werde, weiß ich noch nicht. Ich mag Superhelden-Filme, bei denen das Menschliche im Vordergrund steht, und das ist in Iron Man eher schmückendes Beiwerk.

 
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Verfasst von - März 23, 2010 in Filme

 

Tim Burtons Alice im Wunderland (2010)

Tim Burtons neuer Film Alice im Wunderland scheint die Geister zu spalten, und ich war darauf gefasst, den Film für einen Haufen bunten Käse zu halten. Schließlich bin ich weder ein ausgesprochener Burton-Fan, noch habe ich mir jemals besonders viel aus Lewis Carrolls Kindergeschichte gemacht. Gleichzeitig sollte Alice mein erster 3D-Film werden, und ich ging davon aus, zumindest optisch einiges geboten zu bekommen.

Dem Teil von mir, der immer noch zehn Jahre alt ist und der sich einfach gern in andere Welten wegträumt, stiegen während der ersten 3D-Trailer dann auch ein paar Tränen in die Augen. Verdammt, war mein spontaner Gedanke: wieso gab es das nicht schon damals, als sie Den Herrn der Ringe gedreht haben? Und dann der nächste Gedanke: 3D-Filme könnten das Kino zwar revolutionieren, aber sie könnten auch eine ganze Epoche zweidimensionaler Filmkunst in Vergessenheit geraten lassen. Wer wird sich noch für ältere Filme interessieren, wenn er damit aufgewachsen ist? Es ist ein bisschen wie mit den neuen Fernsehbildschirmen. Ja klar, ein digital gedrehter Film sieht darauf ganz toll aus. Aber was wird aus den Filmen, die nicht entsprechend aufbereitet werden können? Wird die alte Bildqualität für die nachrückenden Generationen überhaupt noch zumutbar sein? Oder wird es dann eine Welle an Remakes von Vom Winde verweht oder Die üblichen Verdächtigen für die digitale 3D-Generation geben? Wahrscheinlich ist das übertrieben, und vielleicht haben sich die Menschen an 3D auch ziemlich schnell satt gesehen. Aber es kam mir schon so vor, als würde ich da in ein neues Kinozeitalter blicken, dessen Auswirkungen noch nicht ganz klar sind.

Nun zu Alice im Wunderland. Es handelt sich rein story-mäßig um die Fortsetzung des ersten Romans, in dem die kleine Alice ins Kaninchenloch fällt, und den sicher jeder schon mal in der ein oder anderen Form gelesen/gesehen hat. In Tim Burtons Film kehrt nun die erwachsene Alice ins ‘Unterland’ zurück, wo sie bereits sehnlichst erwartet wird, da sie einem Orakel zufolge die Welt vor einem Ungeheuer (dem Jabberwocky) retten soll. Das Problem: Alice glaubt mittlerweile, dass alles, was sie sieht, ihrer eigenen Traumwelt entsprungen ist und sträubt sich dagegen, sich von irgendwelchen Geschöpfen für deren Zwecke einspannen zu lassen. Trotzdem schließt sie bald wieder Freundschaft mit dem verrückten Hutmacher und wird in die politischen Intrigen zwischen der roten und der weißen Königin hineingezogen. Im Laufe des Films muss Alice sich dann öfter entscheiden, ob sie ihrem eigenen Instinkt oder den Vorgaben anderer folgen soll; sie wird praktisch dazu gezwungen, erwachsen zu werden und zu ihren ‘Verrücktheiten’ zu stehen. Nicht umsonst fragt man sie immer wieder, wer sie eigentlich ist, und ob sie die richtige Alice ist, von der alle sprechen.

Ich konnte ja mit diesem Wunderland und seiner Bevölkerung noch nie so viel anfangen. Verrückt durcheinander quasselnde Tiere, absurde Rätsel und Wortspielereien, chaotische Teegesellschaften – das war mir schon als Kind zu kitschig und zu abgedreht. Und auch mit Burtons Film ging es mir so, dass der anfängliche Zauber der 3D-Raffinessen schnell nachließ und ich die lustigen Grimassen des Hutmachers und seiner Kumpane fast schon wieder nervig fand. Aber immerhin bleiben einem in Burtons Film einige der absurdesten Kreationen von Lewis Carrol erspart, und die Geschichte folgt einem roten Faden, den ich persönlich ganz angenehm fand. Zum ersten Mal hatte ich dadurch das Gefühl, dass mir die Geschehnisse und die Figuren in dieser Welt nicht vollkommen egal waren.

Man kann dem Film natürlich vorwerfen, dass er sich trotzdem vor allem auf seine visuellen Spielereien konzentriert und vieles daneben verblasst. Besonders Anne Hathaway als weiße Königin bleibt im wahrsten Sinne des Wortes farblos und affektiert, der Jabberwocky wie auch der Bandersnatch sind als Monster einfallslos und schnell außer Gefecht gesetzt, und die Handlung wirkt oft irgendwie durchgehechelt.

Trotzdem kann ich nicht sagen, dass mich der Film vollkommen kalt gelassen hat. Vielleicht war ich gerade empfänglich für Sentimentales, aber es gab genug Stellen, die mich auf die typische (zugegeben, ziemlich durchschaubare) Disney-Art gerührt haben. Wenn Alice dem Monster, das sie zuvor töten wollte, sein ausgerissenes Auge wiedergibt und von diesem zum Dank ihre Wunden gesund geleckt bekommt – wer bleibt da schon vollkommen kalt? Und wenn Alice sich gegen die Anweisungen des Orakels entscheidet und auf eigene Faust versucht, den Hutmacher aus dem Schloss der roten Königin zu retten – wer könnte sie dafür nicht lieben?

Die Besetzung kann sich natürlich ebenfalls sehen lassen. Mia Wasikowska, die an eine sehr junge Gwyneth Paltrow erinnert, ist als Alice zwar nicht überragend, aber durchaus sympathisch und ein Gesicht, das ich mir spätestens seit In Treatment sowieso merken werde. Johnny Depps Hutmacher wiederum ist kein Kerl, den man unbedingt mit nach Hause zum Tee nehmen möchte: Mit wild abstehenden roten Haaren, breitem Zahnlückengrinsen und hyperaktivem Gebaren wirkt er wie die personifizierte Verrücktheit, und in gewisser Weise steht er ja auch für Alices verrücktes, unangepasstes, fantasiebegabtes Ich. Den eigentlichen Höhepunkt des Films stellt aber Helena Bonham Carter als manchmal fast schon tragische Rote Königin dar: Mit ihrem herrlich übertriebenen Sadismus ist sie die treibende Kraft des Plots und weckt gegen Ende trotz ihrer Boshaftigkeit das Mitgefühl des Zuschauers.

Ja, ein Herr der Ringe ist Alice sicher nicht, aber das heißt nicht, dass man den Film nicht genießen kann. Es ist eben ein märchenhafter kleiner Trip für die ganze Familie, ein guter Film für einen verregneten Sonntagnachmittag bei Tee und ‘Butterfingers’, der manchmal vielleicht zu bunt und manchmal auch nicht viel mehr als bunt ist, der mich aber wesentlich mehr mitgerissen hat als alle anderen Alice-Versionen zuvor. Und wer sich einfach gern an abgedrehten 3D-Landschaften, wilden Farbkompositionen und liebenswerten Details berauscht, für den ist er sowieso ein Muss. Ich habe es nicht bereut, mein Geld für diesen Film ausgegeben zu haben, schon weil es für mich eine ganz neue Kinoerfahrung war – und ich werde ihn mir sicher irgendwann auch noch mal auf Englisch und in 2D ansehen.

 
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Verfasst von - März 22, 2010 in Filme

 

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So finster die Nacht (Buch und Film)

So finster die Nacht (Lat den rätte komma in) eilt der Ruf voraus, ein etwas anderer Vampir-Roman bzw Film zu sein. Und tatsächlich ist bereits das Setting ungewöhnlich: Statt düsteren alten Gemäuern oder schwülem Südstaatenpomp hat man es mit einem stinknormalen schwedischen Vorort zu tun, einer tristen Wohnsiedlung, wie man sie wohl in jeder Großstadt findet. Hier, in Blackeberg, wohnt Oscar, ein zwölfjähriger, etwas dicklicher Junge, der in der Schule von einer Gruppe sadistischer Mitschüler gequält wird und sich in seiner Freizeit mit kleineren Supermarktklauereien und Gewaltphantasien abreagiert. In diese Routine kommt Bewegung, als in einem Nachbarort nicht weit von Blackeberg ein Teenager brutal ermordet wird – ein Verbrechen, das nicht nur die Stockholmer Polizei in Alarmbereitschaft versetzt. Die Tatumstände sprechen für einen Ritualmord, dessen Motive allerdings im Dunkeln liegen. Gleichzeitig zieht neben Oscar ein seltsames Vater-Tochter-Gespann ein, und Oscar schließt bald Freundschaft mit dem etwas vernachlässigten Mädchen Eli. Eli besitzt das Selbstvertrauen, das Oscar fehlt und spornt ihn an, sich gegen seine Peiniger zu wehren. Aber sie gibt Oscar auch Rätsel auf. Wieso sind die Fenster ihrer Wohnung ständig mit Jalousien bedeckt? Wieso macht ihr die Kälte nichts aus? Und wieso ist ihr ‘Vater’ auf einmal verschwunden, gerade als ein neuer Mord im letzten Moment verhindert werden kann?

(Achtung, ab hier enthält der Text leichte Spoiler, die sich nicht ganz vermeiden lassen. Wer ganz unbefangen an den Film und das Buch herangehen möchte, sollte lieber weglesen.)

Als Leser kann man sich diese Fragen ziemlich schnell beantworten: Es geht um Vampirismus, um die Sucht nach dem täglich Blut und um das notwendige Morden, das damit einhergeht. Aber Vampirismus ist nicht das Erschreckendste an So finster die Nacht, so realistisch er auch dargestellt wird. Denn Autor Lindqvist hat in seinem Roman eine Art Rundumschlag durch die menschlichen Abgründe geliefert: Von Mobbing und Kindesmissbrauch, über soziale Isolation, Alkoholismus, Pädophilie, Mord und Verstümmelung ist so ziemlich alles dabei, was die dunkle Seite hergibt. Und oft ist der Leser mittendrin in den Köpfen dieser menschlichen Wracks, hat teilweise sogar Mitgefühl mit ihnen, weil sie alle in ihren Abhängigkeiten gefangen sind. In der Tristesse am Rande des Großstadtlebens sind Oscar und Eli nicht die Einzigen, die nach ein bisschen Verständnis und Zugehörigkeit suchen – sie sind nur die Einzigen, die es am Ende finden. Damit ist So finster die Nacht nicht vor allem ein Vampirroman, sondern gleichzeitig eine Art Sozialstudie, ein Drama über das Erwachsenwerden und … eine sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte.

Hört sich gut an? Ist es auch. Und trotzdem habe ich an Lindqvists Roman das ein oder andere zu bemängeln. In erster Linie ist es der knochentrockene Stil, der mir schon bei einem anderen Ausflug ins skandinavische Krimigenre aufgefallen ist. Ich konnte mir die Örtlichkeiten sehr plastisch vorstellen, aber ich wurde mit den Personen oft nicht richtig warm. Vieles wird allenfalls angerissen: Oscars Beziehung zu seiner alleinerziehenden, überbesorgten Mutter, dem geliebten und zugleich abstoßenden Vater. Elis Geschichte als Vampir und als Mensch. Die Geschichte des Alkoholikerpaars Virginia und Lacke. Die vielen Nebencharaktere, die alle ihr eigenes Bündel mit sich herumschleppen. Vieles davon ist interessant und hätte nach mehr verlangt, anderes ist zu weit ausgewalzt und lenkt ein wenig vom Hauptplot ab. Vielleicht ist mir der Roman deshalb manchmal etwas zäh vorgekommen.

Aber nun zum Film: Ich habe eine Weile überlegt, ob ich mir zuerst das Buch oder den Film vornehmen soll, habe mich dann für die altmodische Variante (Buch vor Film) entschieden. Und das war in diesem Fall ein klarer Fehler. Die Hauptpersonen wirken auf den ersten Blick fehlbesetzt: Aus dem übergewichtigen Oscar wird ein normalgewichtiger, wenn auch blasser, ungelenker Junge, der von seinen Klassenkameraden scheinbar zufällig zum Opfer erkoren wird. Elis Beziehung zu ihrem ‘Vater’ wird in keinster Weise erläutert – eine der schwerwiegendsten Auslassungen des Films. Selbst als sich einer der Charaktere in einen Vampir verwandelt, wird das in ein paar kurzen Szenen abgehandelt. Es ist mir nach dem Lesen des Romans ein Rätsel, wie man als unwissender Zuschauer den Überblick über die inhaltlichen Zusammenhänge behalten soll. Sind die subtilen Andeutungen ausreichend, reimt man sich das als Zuschauer schon irgendwie zusammen? Das sind Dinge, die ich leider nicht beurteilen kann. Aber offene Fragen und Doppelldeutigkeiten können einen Film ja auch erst interessant machen.

Was ich dem Film allerdings übel nehme, ist, dass er vieles, was im Buch passiert, enorm entschärft. Von Pädophilie und Kindesmissbrauch keine Spur, die mobbenden Klassenkameraden wirken eher harmlos als sadistisch, und einige der klassischen Horrorszenen wurden gleich ganz weggelassen. Während ich auf die Splatterszenen noch gut verzichten konnte, hat mich die Verharmlosung der oben genannten Dinge doch sehr gestört. Ich kann zwar verstehen, dass man sich vor allem auf die Beziehung zwischen den zwei Hauptfiguren konzentrieren wollte (und aus zeitlichen Gründen auch musste), aber da geht schon vieles verloren.

Trotzdem gibt es auch Dinge, die der Film gut, wenn nicht besser macht als das Buch: Die Szenen, in denen Elis Vampirnatur durchscheint, sind erstklassig umgesetzt, gerade weil sie so subtil sind, dass man sich hinterher fragt, was man eigentlich gesehen hat. Über Elis Besetzung habe ich mich zu Beginn zwar auch ein wenig geärgert (sie wird im Buch als zuckersüße kleine Schönheit beschrieben), fand die Entscheidung für ein weniger püppchenhaftes Gesicht dann aber doch gut, weil die Schauspielerin das Andersartige gerade in den ‘Verwandlungsszenen’ gut rüberbringt.

Überhaupt hat man in punkto Atmosphäre ins Schwarze getroffen. Die Trostlosigkeit der Neubausiedlung, die ebenso schlichten wie poetischen Schneebilder, das wunderschöne Filmscore – was das betrifft, kann man So finster die Nacht nur beglückwünschen. Ich bin in dieser Hinsicht schon gespannt auf das amerikanische Remake, kann mir aber nicht vorstellen, dass da nicht doch mehr Energie in Schockeffekte und CGI gesteckt wird, um das minderjährige Mainstream-Publikum bei Laune zu halten.

Fazit: Auch wenn sich das alles sehr kritisch anhört und ich im direkten Vergleich zwischen Buch und Film einiges auszusetzen finde, ist So finster die Nacht ein wirklich empfehlenswerter und atmosphärischer kleiner Film, der gerade auf Grund seiner leisen Töne nicht nur was für Genrefans ist. Statt Schockeffekten und Zähnefletschen erwartet den Zuschauer vor allem eine melancholische Freundschafts- und Liebesgeschichte und ein Coming-of-Age-Drama, das in diesem Sinne fast einzigartig ist. Vielleicht sollte man sich hinterher aber besonders als Horrorfan noch das Buch durchlesen, denn das ist wesentlich düsterer und abgründiger und klärt einige offenstehende Fragen, die im Film nicht behandelt werden.

 
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Verfasst von - März 17, 2010 in Bücher, Filme

 
 
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